Warum die Champion L86C die bessere Zündkerze für unseren Heinkel Tourist ist

Welche Zündkerze ist die richtige für den Heinkel Tourist? Diese Frage wird unter Heinkel-Fahrern immer wieder diskutiert. Häufig verwendet werden die Bosch W7AC, die NGK B6HS und die Champion L86C.

Auf den ersten Blick handelt es sich um weitgehend vergleichbare Zündkerzen. Auch in heutigen Umschlüsselungslisten werden sie häufig als Alternativen zueinander geführt.

Schaut man jedoch in ältere Wärmewert-Vergleichstabellen, wird es interessant. Dort wird für die Champion L86/L86C ein breiterer Wärmewertbereich angegeben. Und genau das macht diese Zündkerze für unseren luftgekühlten Heinkel-Motor besonders interessant.

Die drei Zündkerzen im Vergleich

Zunächst die grundlegenden Daten:

MerkmalChampion L86CBosch W7ACNGK B6HS
GewindeM14 × 1,25M14 × 1,25M14 × 1,25
Gewindelänge12,7 mm12,7 mm12,7 mm
BauformKurzgewindeKurzgewindeKurzgewinde
Entstörwiderstandneinneinnein
Elektrodenabstandca. 0,6 mmca. 0,6 mmje nach Anwendung einzustellen
Hersteller-Wärmewert8676
klassischer Wärmewert / Bereich160–225*175ca. 175

* nach älteren Wärmewert-Vergleichstabellen.

Mechanisch sind die drei Zündkerzen damit sehr ähnlich und grundsätzlich für Anwendungen mit einem M14-Kurzgewinde geeignet.

Der wirklich interessante Unterschied zeigt sich jedoch beim Wärmewert und insbesondere beim Wärmewertbereich.

Zündkerzen sind Präzisionsteile

Eine Zündkerze sieht auf den ersten Blick recht einfach aus. Tatsächlich muss sie im Motor jedoch erheblichen mechanischen, elektrischen, chemischen und thermischen Belastungen standhalten.

Während des Betriebs muss sie zwei gegensätzliche Anforderungen erfüllen:

Sie muss heiß genug werden, damit sich Ablagerungen an der Isolatorspitze abbrennen und die Kerze nicht verrußt. Gleichzeitig darf sie nicht zu heiß werden, da eine überhitzte Zündkerze im ungünstigsten Fall Glühzündungen verursachen kann.

Genau deshalb spielt der richtige Wärmewert eine so wichtige Rolle.

Was bedeutet der Wärmewert?

Der Wärmewert beschreibt die thermische Belastbarkeit und das Wärmeableitvermögen einer Zündkerze.

Eine sogenannte warme Zündkerze gibt die aufgenommene Wärme vergleichsweise langsam an den Zylinderkopf ab. Dadurch erreicht sie auch bei geringerer Motorbelastung schneller eine Temperatur, bei der Ablagerungen an der Isolatorspitze wieder abgebrannt werden können.

Eine kalte Zündkerze führt dagegen mehr Wärme an den Zylinderkopf ab und eignet sich deshalb für höhere thermische Belastungen.

Die Zündkerze muss also einen gewissen Spagat schaffen:

Bei niedriger Belastung darf sie nicht zu kalt und bei hoher Belastung nicht zu heiß werden.

Gerade bei einem luftgekühlten Motor wie dem des Heinkel Tourist ist dieser Punkt besonders interessant.

Woher kommen Wärmewerte wie 175, 200 oder 225?

Der Begriff Wärmewert ist ein definierter Vergleichswert und keine Temperaturangabe.

Bosch führte bereits in den 1920er-Jahren ein entsprechendes Vergleichsverfahren ein, um Zündkerzen mit unterschiedlicher thermischer Belastbarkeit einordnen zu können.

Die Ermittlung erfolgte mit einem Prüfmotor unter festgelegten Bedingungen. Vereinfacht gesagt wurde dabei festgestellt, wie lange eine Zündkerze einer bestimmten Belastung standhalten konnte, bevor Glühzündungen auftraten.

Daher stammen die klassischen Wärmewerte wie:

175 – 200 – 225 – 240 – 260

Ganz wichtig:

Diese Zahlen sind keine Temperaturen in Grad Celsius.

Ein Wärmewert von 225 bedeutet also keinesfalls, dass die Zündkerze für eine Temperatur von 225 °C ausgelegt wäre.

Es handelt sich um historische Vergleichskennzahlen.

Die Hersteller verwenden unterschiedliche Skalen

Zusätzlich wird die Sache dadurch kompliziert, dass Bosch, NGK und Champion unterschiedliche Bezeichnungssysteme verwenden.

Eine Champion 86, eine Bosch 7 und eine NGK 6 können deshalb nicht einfach anhand ihrer Zahlen miteinander verglichen werden.

Bei NGK bedeutet beispielsweise eine höhere Zahl eine kältere Zündkerze. Eine NGK B7HS ist also kälter als eine B6HS.

Bei der klassischen Bosch-Bezeichnung verhält es sich in diesem Bereich genau andersherum:

W7AC → W6AC → W5AC → W4AC → W3AC

werden zunehmend kälter.

Genau deshalb sind Vergleichstabellen notwendig, wenn Zündkerzen unterschiedlicher Hersteller gegenübergestellt werden sollen.

Moderne Zündkerzen können einen Wärmewertbereich abdecken

Ein besonders interessanter Punkt ist, dass eine Zündkerze nicht zwangsläufig nur einem einzigen historischen Wärmewert entsprechen muss.

Durch die Verwendung modernerer Materialien und konstruktive Weiterentwicklungen entstanden sogenannte Mehrbereichszündkerzen. Sie können einen größeren thermischen Arbeitsbereich abdecken als frühere Kerzen, die stärker auf einen bestimmten Wärmewert ausgelegt waren.

Und genau hier wird die Champion L86C für unseren Heinkel Tourist interessant.

Der breite Wärmewertbereich der Champion L86C

In der uns vorliegenden älteren Vergleichstabelle wird die Champion L86/L86C einem Wärmewertbereich von 160 bis 225 zugeordnet.

Stellt man diesen Bereich den klassischen Bosch-Wärmewerten gegenüber, ergibt sich folgendes Bild:

Klassischer WärmewertBoschNGKChampion L86C
160––Beginn des angegebenen Bereichs
175W7ACB6HSim Bereich
200W6AC–im Bereich
225W5ACRichtung B7HSim Bereich

Und genau hier liegt für uns der wesentliche Unterschied.

Während beispielsweise die Bosch W7AC dem klassischen Wärmewert 175 zugeordnet wird, erstreckt sich der in der Vergleichstabelle angegebene Bereich der Champion L86C von 160 bis 225.

Damit überdeckt die L86C die klassischen Bosch-Wärmewertstufen:

W7AC (175) → W6AC (200) → W5AC (225)

Man sollte daraus nicht ableiten, dass die L86C in jeder Anwendung exakt drei unterschiedliche Bosch-Kerzen ersetzt. Es zeigt jedoch den breiteren thermischen Arbeitsbereich, der für eine Mehrbereichszündkerze charakteristisch ist.

Warum ist ein breiter Wärmebereich beim Heinkel von Vorteil?

Ein Heinkel Tourist wird schließlich nicht immer unter denselben Bedingungen bewegt.

Eine gemütliche Fahrt durch den Ort stellt andere Anforderungen an die Zündkerze als eine längere Landstraßenfahrt. Dazu kommen längere Steigungen, hohe Außentemperaturen, unterschiedliche Beladung oder längere Fahrten mit höherer Geschwindigkeit.

Gerade ein luftgekühlter Motor ist dabei unterschiedlichen thermischen Belastungen ausgesetzt.

Bei geringer Belastung soll die Zündkerze ausreichend heiß werden, damit sie ihre Selbstreinigungstemperatur erreicht und Ablagerungen an der Isolatorspitze möglichst vermieden werden.

Bei hoher Dauerbelastung darf sie dagegen nicht überhitzen und muss ausreichend Wärme an den Zylinderkopf abgeben können.

Eine Mehrbereichszündkerze kann diesen unterschiedlichen Betriebsbedingungen besser gerecht werden.

Genau darin sehen wir einen wesentlichen Vorteil der Champion L86C für den Heinkel Tourist.

Aber L86C, W7AC und B6HS sind doch Vergleichstypen?

Das ist richtig.

Die Champion L86C, Bosch W7AC und NGK B6HS werden in zahlreichen Umschlüsselungslisten als entsprechende bzw. austauschbare Typen geführt.

Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass ihr thermisches Verhalten unter allen Betriebsbedingungen vollkommen identisch ist.

Die Bosch W7AC und NGK B6HS liegen ungefähr im Bereich des klassischen Wärmewerts 175. Dieser Wert liegt gleichzeitig innerhalb des angegebenen Bereichs der Champion L86C.

Deshalb ist es durchaus nachvollziehbar, dass W7AC, B6HS und L86C als Vergleichstypen aufgeführt werden.

Der interessante Unterschied liegt für uns darin, dass die Champion in älteren Vergleichstabellen zusätzlich mit dem breiteren Bereich von 160 bis 225 angegeben wird.

Eine kältere Zündkerze macht den Motor nicht kälter

Ein häufiges Missverständnis sollte ebenfalls ausgeräumt werden:

Eine kältere Zündkerze macht den Motor nicht kälter.

Der Wärmewert beschreibt lediglich, wie die Zündkerze selbst die an ihrer Spitze aufgenommene Wärme an den Zylinderkopf weiterleitet.

Wenn ein Heinkel-Motor beispielsweise aufgrund einer zu mageren Vergasereinstellung oder eines falschen Zündzeitpunkts zu heiß läuft, lässt sich dieses Problem deshalb nicht durch den Einbau einer kälteren Zündkerze beseitigen.

Die Zündkerze muss zum Wärmehaushalt des Motors passen – sie reguliert aber nicht die eigentliche Motortemperatur.

Das Kerzenbild bleibt wichtig

Unabhängig davon, welche Zündkerze verwendet wird, lohnt sich beim Heinkel immer wieder ein Blick auf das Kerzenbild.

Eine sehr helle oder weißliche Isolatorspitze kann unter anderem auf eine hohe thermische Belastung oder ein zu mageres Gemisch hinweisen.

Eine schwarze oder stark verrußte Zündkerze kann dagegen beispielsweise auf ein zu fettes Gemisch, viel Kurzstreckenbetrieb oder darauf hindeuten, dass die Kerze ihre notwendige Selbstreinigungstemperatur nicht erreicht.

Gerade nach Änderungen am Vergaser oder an der Bedüsung sollte deshalb nicht nur beurteilt werden, wie gut der Motor anspringt und fährt. Auch das Kerzenbild liefert wertvolle Hinweise.

Dabei sollte die Kerze möglichst nach einer repräsentativen Fahrt unter der zu beurteilenden Belastung kontrolliert werden. Längerer Leerlauf unmittelbar vor dem Abstellen kann das Kerzenbild bereits verändern.

Zündkerzen sind keine Wunderkerzen

Auch die beste Zündkerze kann technische Probleme an einem Motor nicht ausgleichen.

Ist ein Motor mechanisch nicht in Ordnung, stimmt die Vergasereinstellung nicht, ist der Luftfilter verschmutzt oder gibt es Probleme mit Zündkabel, Zündspule, Kontakten oder anderen Teilen der Zündanlage, wird auch eine andere Zündkerze keine Wunder vollbringen.

Das gilt insbesondere für den Wärmewert.

Ein auffälliges Kerzenbild sollte deshalb niemals isoliert betrachtet werden. Vergaser, Zündung, Motorzustand und Zündkerze müssen zusammenpassen.

Warum wir die Champion L86C bevorzugen

Für uns sprechen mehrere Punkte für die Champion L86C.

Sie besitzt mit M14 × 1,25 und 12,7 mm Gewindelänge die passende klassische Kurzgewinde-Bauform. Sie kommt ohne integrierten Entstörwiderstand aus und passt damit sehr gut zu einer klassischen Zündanlage.

Der für uns interessanteste Punkt ist jedoch ihr in älteren Vergleichstabellen angegebener breiter Wärmewertbereich von 160 bis 225.

Damit liegt die L86C nicht nur im Bereich der häufig verwendeten Bosch W7AC bzw. NGK B6HS, sondern überdeckt nach dieser Einteilung mehrere klassische Wärmewertstufen.

Gerade beim Heinkel Tourist mit seinem luftgekühlten Motor und den sehr unterschiedlichen Einsatzbedingungen sehen wir darin einen Vorteil.

Unser Fazit

Champion L86C, Bosch W7AC und NGK B6HS sind grundsätzlich vergleichbare Zündkerzen und werden auch als entsprechende Austauschtypen geführt.

Trotzdem bevorzugen wir für unseren Heinkel Tourist die Champion L86C.

Der entscheidende Punkt ist für uns der in älteren Vergleichstabellen angegebene breitere Wärmewertbereich von 160 bis 225. Damit überdeckt die Champion L86C mehrere klassische Bosch-Wärmewertstufen – von W7AC (175) über W6AC (200) bis W5AC (225).

Als Mehrbereichszündkerze kann sie damit einen größeren thermischen Arbeitsbereich abdecken. Das ist gerade bei einem luftgekühlten Heinkel-Motor interessant, der vom gemütlichen Ortsverkehr bis zur längeren Fahrt mit hoher Dauerbelastung sehr unterschiedliche Betriebsbedingungen erlebt.

Die Bosch W7AC und NGK B6HS sind deshalb keineswegs falsche Zündkerzen. Sie sind bewährte und passende Vergleichstypen.

Für uns ist die Champion L86C aufgrund ihres breiteren angegebenen Wärmewertbereichs jedoch die vielseitigere und damit bevorzugte Zündkerze für den Heinkel Tourist. Wärmewertbereichs aber die interessantere und bevorzugte Wahl.

Quelle: Peter Künstler. Erstellt in einer Zeit, in der es noch keine Website gegeben hat 😉

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