NIBBI PE24 Vergaser am Heinkel Tourist – Einbau und erste Erfahrungen

Im Heinkel-Forum wird seit einiger Zeit über NIBBI-Vergaser als moderne Alternative zum originalen Bing-Vergaser diskutiert. Die dort geschilderten Erfahrungen machten uns neugierig. Deshalb haben wir im August 2026 begonnen, den NIBBI PE24 an unseren Heinkel Tourist zu testen.

Den Anfang machten Patrick mit seinem 103 A1 und Roland mit seinem 103 A2. Inzwischen ist mit Roland D. ein dritter Heinkel-Fahrer aus unserer Runde dazugekommen.

Unser bisheriges Fazit fällt sehr positiv aus. Gleichzeitig zeigen die Versuche aber auch sehr deutlich, dass sich die optimale Bedüsung nicht einfach von einem Motor auf den anderen übertragen lässt.

Verarbeitung und Lieferumfang

Die Verarbeitung des NIBBI PE24 macht einen guten Eindruck. Der Vergaser wirkt sauber gefertigt und solide verarbeitet. Schieber, Einstellschrauben und Anschlüsse machen einen wertigen Eindruck, sodass der PE24 keineswegs wie eine einfache Billiglösung wirkt.

Praktisch für die Abstimmung ist außerdem, dass bei unseren Vergasern bereits mehrere Düsen mitgeliefert wurden:

Hauptdüsen: 100, 102, 105 und 108
Leerlaufdüsen: 35 und 40

Damit lassen sich bereits verschiedene Einstellungen ausprobieren, ohne zunächst weitere Düsen kaufen zu müssen. Für unsere weiteren Versuche haben wir uns zusätzlich ein größeres Hauptdüsenset besorgt, das unter anderem die inzwischen verwendeten 112er und 115er Hauptdüsen enthält.

Ein weiteres praktisches Detail ist der Ablassschlauch an der Schwimmerkammer. Über die Ablassschraube lässt sich der Kraftstoff aus der Schwimmerkammer gezielt über diesen Schlauch ablassen. Das ist beispielsweise vor längeren Standzeiten oder bei Arbeiten am Vergaser hilfreich, da das Benzin nicht unkontrolliert über den Motor läuft.

Der Schlauch sollte bei der Montage entsprechend nach unten geführt werden, damit austretender Kraftstoff sicher vom Motor weggeleitet wird.

Eine Übersicht der von uns verwendeten Teile findet ihr am Ende dieses Berichts.

PE22 und PE24 – ein wichtiger Unterschied

Der ebenfalls häufig erwähnte NIBBI PE22 ist nur mit Flansch erhältlich. Für den Heinkel wird deshalb ein entsprechender Adapter benötigt.

Den PE24 gibt es dagegen mit und ohne Flansch. Wir verwenden die Version ohne Flansch, da sich diese relativ einfach mit dem originalen Ansaugstutzen des Heinkel Tourist verbinden lässt.

Der Ansaugstutzen hat einen Außendurchmesser von ungefähr 29 mm. Als Verbindung verwenden wir einen gewebeverstärkten Turboschlauch mit 30 mm Innendurchmesser. Damit lässt sich der Vergaser montieren, ohne dauerhafte Änderungen am originalen Ansaugstutzen vorzunehmen.

Je nach verwendetem Luftfilter kann es unter der Seitenhaube allerdings etwas eng werden. Bei meinem 103 A1 stieß beispielsweise der Hebel des Benzinhahns beim Schließen an den Luftfilter. Ich habe den Benzinhahn deshalb am Tank einfach um etwa eine Viertelumdrehung verdreht. Beim 103 A2 ist an dieser Stelle etwas mehr Platz vorhanden.

Wichtiger Nachtrag zum O-Ring

Bei unseren ersten Versuchen hatten wir zwischen NIBBI PE24 und Ansaugstutzen zusätzlich einen passenden O-Ring eingesetzt.

Dieser sollte einerseits zusätzlich gegen Falschluft abdichten und andererseits eine gewisse thermische Entkopplung zwischen dem heißen Ansaugstutzen und dem Vergaser bewirken.

Diese Idee müssen wir inzwischen allerdings revidieren.

Nachdem bei unseren Versuchen bereits zwei dieser O-Ringe verschwunden sind, müssen wir davon ausgehen, dass das von uns verwendete Material für diesen Einsatzzweck nicht geeignet war und den dort herrschenden Bedingungen möglicherweise nicht dauerhaft standhält.

Den zusätzlichen O-Ring können wir deshalb in dieser Form nicht empfehlen.

Die Verbindung über den 30-mm-Turboschlauch funktioniert auch ohne diesen zusätzlichen O-Ring.

Was beeinflusst welchen Bereich?

Für die Abstimmung ist es wichtig zu wissen, dass die einzelnen Bauteile des NIBBI unterschiedliche Bereiche beeinflussen.

GasstellungHauptsächlicher Einfluss
Leerlauf bis ca. 1/4Leerlaufdüse und Luftschraube
ca. 1/4 bis 3/4Schiebernadel
ca. 3/4 bis VollgasHauptdüse

Die Bereiche überschneiden sich natürlich.

Die Nadel besitzt fünf Positionen. Position 3 ist die Grundeinstellung, eine höhere Position macht das Gemisch im mittleren Bereich fetter.

Bei der Luftschraube gilt laut NIBBI: Hineindrehen = fetter, Herausdrehen = magerer. Die Grundeinstellung liegt bei ungefähr 1½ Umdrehungen geöffnet.

Mein Versuch am Heinkel 103 A1

Ich startete zunächst mit einer 35er Leerlaufdüse, 100er Hauptdüse und Nadelstellung 3.

Bereits die ersten Fahrten waren sehr positiv. Der Motor lief ruhig und gleichmäßig, nahm spontan Gas an und beschleunigte nach meinem Eindruck deutlich besser als mit dem zuvor montierten Bing-Vergaser.

Auf meiner normalen Strecke zur Arbeit konnte ich den Vergaser unter verschiedenen Bedingungen testen. Auf der Autobahn waren im LKW-Windschatten etwa 100 km/h möglich, ohne dauerhaft Vollgas geben zu müssen.

Nach der Fahrt hatte ich allerdings den Eindruck, dass der Motor recht heiß „riecht“. Eine zuverlässige Temperaturmessung hatte ich nicht, trotzdem wollte ich vorsichtshalber eine etwas fettere Abstimmung ausprobieren.

Von 100 über 108 zur 105er Hauptdüse

Zunächst wechselte ich direkt von der 100er auf eine 108er Hauptdüse.

Das funktionierte bei meinem Motor überraschenderweise überhaupt nicht gut. Der Motor sprang nur mit Choke an, nahm schlecht Gas an und verschluckte sich beim Gasgeben deutlich.

Daraufhin ging ich einen Schritt zurück und setzte eine 105er Hauptdüse ein.

Damit war das Verhalten sofort wieder gut. Der Motor sprang normal an, nahm sauber Gas an und lief sowohl im Teil- als auch im Volllastbereich ruhig und gleichmäßig.

Anschließend stellte ich die Nadel versuchsweise von Position 3 auf Position 4, um das Gemisch im häufig genutzten mittleren Bereich etwas anzufetten. Zusätzlich drehte ich die Luftschraube um etwa eine Viertelumdrehung hinein. Inzwischen fahre ich die Nadel allerdings wieder in der Grundeinstellung auf Position 3.

Mit dieser Kombination lief mein A1 bereits sehr gut. Trotzdem hatte ich weiterhin das Gefühl, dass der Motor etwas zu warm wird.

Wechsel auf die 40er Leerlaufdüse

Als Nächstes habe ich die 40er Leerlaufdüse ausprobiert.

Dabei zeigte sich ein interessanter Unterschied beim Startverhalten: Bei den derzeit warmen Außentemperaturen springt mein A1 mit der 40er Leerlaufdüse ohne Betätigung des Chokes bzw. Kaltstarters problemlos an.

Roland ist inzwischen bei seinem 103 A2 ebenfalls von der 35er auf die 40er Leerlaufdüse umgestiegen und macht genau die gleiche Erfahrung: Auch sein Motor lässt sich bei den derzeitigen Temperaturen problemlos ohne Choke starten.

Mittlerweile fahren sogar alle drei unserer Testroller mit einer 40er Leerlaufdüse.

Ob das Starten ohne Choke auch bei deutlich niedrigeren Außentemperaturen funktioniert, müssen die nächsten Wochen zeigen. Deshalb möchten wir daraus noch keine allgemeingültige Empfehlung ableiten.

Und jetzt doch die 115er Hauptdüse

Die Tatsache, dass Roland mit einer 115er Hauptdüse fährt und damit sehr zufrieden ist, hat mich weiter beschäftigt. Zumal ich die Temperatur meines Heinkel-Motors nach wie vor als recht hoch empfand.

Also habe ich mir kurzerhand das gleiche Düsenset wie Roland bestellt und ebenfalls eine 115er Hauptdüse eingebaut.

Und siehe da: Mein A1 fährt damit ebenfalls einwandfrei. Die Gasannahme ist gut, der Motor läuft sauber und rund und zeigt bislang keine Anzeichen dafür, dass die 115er Hauptdüse zu groß wäre.

Das ist für mich besonders interessant, weil mein Motor bei einem vorherigen Versuch mit der 108er Hauptdüse ausgesprochen schlecht lief.

Genau solche Erfahrungen zeigen, dass die Abstimmung eines Vergasers nicht immer so geradlinig verläuft, wie man zunächst erwarten würde.

Rolands Versuch am Heinkel 103 A2

Roland baute nahezu zeitgleich ebenfalls einen NIBBI PE24 ohne Flansch in seinen Tourist 103 A2 ein.

Er begann zunächst mit einer 35er Leerlaufdüse und einer 105er Hauptdüse. Beim ersten Kaltstart benötigte der Motor noch den Choke. Nach kurzer Warmlaufphase lief er rund und nahm das Gas ausgesprochen direkt an.

Nach weiteren Versuchen entschied sich Roland schließlich für eine 115er Hauptdüse.

Damit folgte eine rund 100 Kilometer lange Testfahrt mit Stadtverkehr, Landstraße, einer längeren Steigung und Volllastanteilen.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen:

  • knapp 110 km/h laut Heinkel-Tacho bzw. etwa 95 km/h nach GPS
  • Verbrauch etwa 2,8 l/100 km
  • ruhiger Lauf auch bei niedriger Geschwindigkeit
  • kein Ruckeln oder Stottern
  • sehr direkte Gasannahme
  • spürbar besserer Durchzug
  • Zündkerzenbild weiterhin rehbraun

Inzwischen hat Roland zusätzlich auf die 40er Leerlaufdüse gewechselt. Seitdem startet auch sein A2 bei den derzeit warmen Temperaturen ohne Choke.

Sein Fazit nach den bisherigen Fahrten:

„Ich kann diesen Umbau nur empfehlen!“

Mit Roland D. jetzt der dritte NIBBI-Heinkel

Mittlerweile haben wir einen weiteren Tester in unserer Runde: Roland D. mit seinem Heinkel Tourist 103 A2

Auch er fährt seinen Heinkel inzwischen mit einem NIBBI PE24 und einer 40er Leerlaufdüse.

Bei der Hauptdüse hat er sich derzeit für eine 112er entschieden. Auch sein Roller läuft mit dieser Abstimmung bislang sehr gut.

Damit haben wir inzwischen drei Heinkel mit dem PE24 im direkten Vergleich.

Besonders interessant ist, dass sich unsere Einstellungen mittlerweile in einem recht ähnlichen Bereich bewegen: Bei der Leerlaufdüse sind inzwischen alle drei bei 40, während bei den Hauptdüsen zweimal 115 und einmal 112 verwendet werden.

Drei Heinkel – der aktuelle Stand

Patrick – 103 A1Roland – 103 A2Roland D. – 103 A2
VergaserNIBBI PE24NIBBI PE24NIBBI PE24
Hauptdüse115115112
Leerlaufdüse404040
NadelPosition 3Position 3Position 3
Verbrauchnoch offenca. 2,8 l/100 kmnoch offen
Start bei warmem Wetterohne Chokeohne Chokeohne Choke

Gerade mein A1 zeigt, wie wichtig es ist, sich bei der Abstimmung nicht ausschließlich an einzelnen Düsengrößen festzuhalten. Während der Motor bei einem frühen Versuch mit der 108er Hauptdüse schlecht lief und sich beim Gasgeben verschluckte, funktioniert er inzwischen mit einer 115er Hauptdüse problemlos.

Unsere über 60 Jahre alten Motoren können sich durch Verschleiß, frühere Überholungen, Zylinder und Kolben, Zylinderkopf, Ansaugung, Luftfilter, Auspuff oder Zündeinstellung teilweise erheblich voneinander unterscheiden.

Deshalb sollte man die hier genannten Düsenwerte nicht einfach ungeprüft übernehmen. Sie sind vielmehr Anhaltspunkte für die eigene Abstimmung.

Unser bisheriges Fazit

Der NIBBI PE24 lässt sich mit einem 30-mm-Turboschlauch relativ unkompliziert und ohne dauerhafte Änderungen am originalen Ansaugstutzen des Heinkel Tourist montieren.

Bei unseren inzwischen drei Heinkel überzeugen bisher vor allem die direkte Gasannahme, der ruhige Motorlauf und der verbesserte Durchzug.

Eine allgemeingültige Bedüsung können und wollen wir weiterhin nicht empfehlen. Interessanterweise liegen unsere derzeitigen Einstellungen inzwischen aber ziemlich nah beieinander:

Patrick: 115er Hauptdüse / 40er Leerlaufdüse
Roland: 115er Hauptdüse / 40er Leerlaufdüse
Roland D.: 112er Hauptdüse / 40er Leerlaufdüse

Besonders interessant ist für uns inzwischen die 40er Leerlaufdüse. Alle drei Roller fahren mittlerweile damit und bei den derzeit warmen Außentemperaturen springen alle drei Motoren problemlos ohne Choke an. Ob sich das auch bei kühleren Temperaturen bestätigt, werden wir weiter beobachten.

Die wichtigste Erkenntnis bleibt aber:

Die Erfahrungen anderer Fahrer sind eine gute Ausgangsbasis – die endgültige Abstimmung muss immer am eigenen Motor erfolgen.

Dabei sollte man sich schrittweise herantasten und möglichst immer nur eine Einstellung verändern. Motorlauf, Gasannahme, Zündkerzenbild und Verbrauch sollten dabei im Auge behalten werden.

Erfahrungen aus dem Heinkel-Forum

Auch die Erfahrungen anderer Heinkel-Fahrer bestätigen den grundsätzlich positiven Eindruck.

Im Heinkel-Forum werden sowohl der PE22 mit Flansch und entsprechendem Adapter als auch der PE24 diskutiert. Dort berichten verschiedene Fahrer ebenfalls von guter Gasannahme, ruhigem Motorlauf und unterschiedlichen erfolgreichen Bedüsungen.

Besonders interessant ist, dass inzwischen auch Erfahrungen über längere Strecken und mehrere tausend Kilometer vorliegen. Der NIBBI ist am Heinkel also längst nicht mehr nur auf einigen kurzen Probefahrten getestet worden.

Die Diskussion findet man hier:

„Nibbi Vergaser“ im Heinkel-Forum: https://forum.heinkel-club.de/viewtopic.php?t=4879

Der nächste große Praxistest: Heidlauf-Classic in der Pfalz

Unsere Versuche sind damit noch lange nicht abgeschlossen. Der nächste größere Praxistest steht bereits unmittelbar bevor.

Am Wochenende fahren alle drei NIBBI-Heinkel gemeinsam auf eigener Achse zur Heidlauf-Classic in die Pfalz.

Das wird für uns besonders interessant, denn erstmals können wir die drei Roller und ihre unterschiedlichen Abstimmungen über eine längere Strecke und unter weitgehend gleichen Bedingungen direkt miteinander vergleichen.

Dabei werden wir insbesondere auf Motorlauf, Gasannahme, Verhalten bei längeren Teil- und Volllastpassagen, Verbrauch und Zündkerzenbild achten.

Und natürlich interessiert mich ganz besonders, wie sich mein A1 mit der neuen Kombination aus 115er Hauptdüse und 40er Leerlaufdüse auf einer längeren Strecke schlägt.

Nach der Tour werden wir diesen Erfahrungsbericht wieder aktualisieren und über unsere weiteren Erkenntnisse berichten.

Nach den bisherigen Erfahrungen können wir aber bereits sagen:

Der NIBBI PE24 funktioniert am Heinkel Tourist ausgesprochen gut und stellt für uns eine interessante Alternative zum originalen Bing-Vergaser dar.

Hier die Liste der von uns eingesetzten Teile:

+ NIBBI PE24 Vergaser

+ Luftfilter 45-47mm

+ Hauptdüsen-Set 55-150

+ Turboschlauch 30mm Innendurchmesser

+ Schlauchschellen 27-52mm

Den ursprünglich verwendeten O-Ring haben wir bewusst aus der Teileliste entfernt, da wir diese Lösung nach unseren Erfahrungen nicht mehr empfehlen können.

Ein Kommentar

  1. Frank Kinnigkeit

    Danke das Du den tollen Erfahrungsbericht geteilt hast.
    Ich habe den Nibbi schon länger liegen aber noch nicht verbaut.

    VG
    Frank aus Jülich

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